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Glossar

Attack Surface

Attack Surface


Attack Surface (deutsch: Angriffsfläche bzw. Angriffsoberfläche) bezeichnet die Gesamtheit aller erreichbaren Einstiegs-, Austritts- und Einflusspunkte eines Systems, über die ein Angreifer Daten eingeben, entnehmen oder Wirkung entfalten kann. Sie dient als Kennzahl für Exposition und Risiko und lässt sich durch Architektur, Härtung und Governance gezielt reduzieren. [Q1][Q2][Q3]

Hintergrund und Entstehung

Der Begriff Attack Surface entstand in der Sicherheitsforschung für Software- und Systemgrenzen. Ziel war es, das Schlüsselverteilungs- und Expositionsproblem moderner IT greifbar zu machen: Je mehr Schnittstellen und Komponenten, desto mehr potenzielle Angriffswege. Definitionen wurden in Normen und Leitfäden präzisiert, etwa im NIST-Glossar. [Q1][Q3] 

Mit Cloud-Diensten, Remote Work und digitaler Lieferkette wachsen und verändern sich Angriffsflächen dynamisch. Die EU-Agentur ENISA beobachtet diese Entwicklung im Bericht „Threat Landscape“ kontinuierlich und beschreibt Trends sowie Gegenmaßnahmen. Für den DACH-Raum bewertet das BSI regelmäßig typische Expositionen und gibt Handlungsempfehlungen. [Q2][Q4] 

Wichtigste Merkmale und Kernelemente

Begriffsumfang:
Attack Surface umfasst digitale, physische und menschliche Angriffsflächen (Social Engineering). Zu digitalen Angriffsflächen zählen unter anderem IP-Adressen, Domains, offene Ports, Web- und Cloud-Dienste, APIs und Softwarekomponenten. Zu physischen Angriffsflächen zählen Gerätezugänge. Menschliche Angriffsflächen umfassen zum Beispiel Phishing-Pfade. [Q1][Q3][Q5]

Mess- und Analyseperspektive:
Eine Attack-Surface-Analyse kartiert exponierte Assets und Schnittstellen, ordnet sie Risiken zu und beobachtet Veränderungen im Zeitverlauf. Sie ist Grundlage für Priorisierung (z. B. „High-Risk Exposures“) und für Prüfaktivitäten wie Pentests. [Q5]

Abhängigkeit vom Kontext:
Die Angriffsfläche variiert je nach Organisation, Architektur und Geschäftsprozessen. Externe Abhängigkeiten (Drittparteien, SaaS, Lieferkette) vergrößern die Exposition. Nationale Behörden nennen besonders häufig IP-Adressen, Domains, falsch konfigurierte Server und fehlendes Patch-Management als Treiber. [Q2][Q4]

Reduktionsprinzipien:
Die Reduzierung erfolgt durch Minimierung von Funktionen, Schließen unnötiger Schnittstellen, Netzsegmentierung, Härtung und Entzug überflüssiger Berechtigungen. In der Praxis wird dies mit Attack Surface Management (ASM) zur kontinuierlichen Überwachung kombiniert. [Q1][Q5]

Bedeutung für Unternehmen und Praxisrelevanz

Für CISOs und IT-Leitungen ist die Attack Surface ein steuerbares Risikoobjekt. Sie verbindet Asset-Inventar, Schwachstellenmanagement und Architekturvorgaben zu einem operativen Steuerkreis: erkennen, bewerten, schließen. Leitfäden von BSI und NIST liefern anerkannte Definitionen, Parameter und Best Practices, die in Audits belastbar sind. [Q1][Q2] 

Im DACH-Kontext verweisen IT-Grundschutz-Bausteine auf Prinzipien wie Segmentierung, Härtung, Patch- und Konfigurationsmanagement. Unternehmen mit verteilten Standorten, OT-Komponenten oder hohem SaaS-Anteil profitieren von einer kontinuierlichen Außenansicht (z. B. Extern-Scan, Discovery) sowie klaren Zuständigkeiten zwischen IT, OT und Fachbereichen. [Q2][Q6] 

Für Governance und Rechtssicherheit tragen Metriken bei (z. B. Zahl exponierter Dienste, Mean Time to Remediate, Zertifikats- und DNS-Hygiene). Ergebnisse fließen in Risikoberichte an die Geschäftsführung und in regulatorische Nachweise ein. [Q4] 

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Attack Surface vs. Attack Vector:
Die Attack Surface beschreibt den Raum möglicher Angriffswege. Ein Attack Vector ist der konkrete Pfad bzw. die Methode (z. B. SQL-Injection über eine API). [Q3][Q5]

Attack Surface vs. Schwachstelle (Vulnerability):
Die Angriffsfläche ist die Menge erreichbarer Punkte. Vulnerabilities sind Fehler oder Fehlkonfigurationen an diesen Punkten. Die Risikobewertung kombiniert beides. [Q1]

Attack Surface vs. Exposure/ASM:
Exposure ist die tatsächliche Exponierung eines Assets (öffentlich erreichbar, unsicher konfiguriert). ASM ist der Prozess, diese Exposition laufend zu identifizieren und zu verringern. [Q5][Q4]

Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: SaaS-getriebenes KMU (DE, rund 400 Mitarbeitende)
Ein externer Discovery-Scan identifiziert 37 öffentlich erreichbare Dienste, davon 6 mit abgelaufenen Zertifikaten und 4 ungepatcht. Maßnahmen: TLS-Härtung, Abschaltung veralteter Endpunkte, Einführung von mTLS für Admin-Zugänge. Die Zahl offener Dienste sinkt um 54 % binnen acht Wochen. [Q2]

Beispiel 2: Produktionsbetrieb mit OT (AT, rund 900 Mitarbeitende)
Netzsegmentierung trennt OT und Office-IT. Ein Bastion-Host ersetzt direkte Fernwartung. Ergebnis: Die externe Angriffsfläche reduziert sich auf eine kontrollierte Eintrittsstelle. Die Mean Time to Remediate sinkt von 21 auf 9 Tage dank zentraler Sicht. [Q4] 


Quellen

[Q1] NIST CSRC Glossary: „Attack Surface“, https://csrc.nist.gov/glossary/term/attack_surface, Abrufdatum: 06.11.2025. 
[Q2] BSI: „Angriffsfläche“ (Cyber-Lage/Monatsbericht), https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Cyber-Sicherheitslage/Lageberichte/Monatsbericht_Lage-Cybernation/Lage_Angriffsflaeche/Lage-Angriffsflaeche.html, Abrufdatum: 06.11.2025. 
[Q3] Wikipedia: „Attack surface“, https://en.wikipedia.org/wiki/Attack_surface, Abrufdatum: 06.11.2025.
[Q4] ENISA: „Cyber Threats / Threat Landscape“, https://www.enisa.europa.eu/topics/cyber-threats, Abrufdatum: 06.11.2025.
[Q5] OWASP Cheat Sheet: „Attack Surface Analysis“, https://cheatsheetseries.owasp.org/cheatsheets/Attack_Surface_Analysis_Cheat_Sheet.html, Abrufdatum: 06.11.2025.

 

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